Bin ich jetzt depressiv? Oder schlecht drauf?

Winterzeit, Corona und soziale Isolation machen es einem nicht einfach gut gelaunt durch die Welt zu spazieren. Dennoch gibt es Menschen, denen einfach nichts wirklich schwer zu fallen scheint. Egal wie die äußeren Umstände sind, für diese Menschen ist das Glas immer halb voll, die Zitrone ist perfekt, um leckere Limonade zu machen (oder sie wird zur perfekten Ergänzung für Tequila und Salz), der "Spatz in der Hand" könnte einfach nicht besser sein, und sogar die Kritik vom Kollegen ist genau die positive Motivation, die sie jetzt brauchen.


Wie kann das sein? Kann ich auch so sein?



Ich möchte keinen Fachvortrag darüber halten, was eine Depression ist oder Ratschläge zum Umgang mit Depression geben (ich bin keine Ärztin und es gibt viele Wege professionelle Hilfe zu finden). Stattdessen habe ich zwei Anliegen, die mich zu diesem Blog-Artikel motiviert haben und die ich hier mit euch teilen möchte:


1. Eine Depression kann jeden treffen und ist nichts vor dem wir uns fürchten müssen.


Im ersten Moment hört sich das vielleicht nicht sehr motivierend an. Es zielt aber darauf ab der Stigmatisierung einer Depression in der westlichen Kultur entgegenzuwirken.

In den letzten 20 Jahren hat die Zahl der Arbeitsausfälle auf Grund von psychischen Erkrankungen in Deutschland um 238% zugenommen. Der häufigste Grund dafür ist eine Depression.*
*Im Vergleich dazu haben die Arbeitsausfälle aller Erkrankungen um 28% zugenommen. Mehr dazu im DAK Psychoreport 2021.

Irgendwo müssen diese Leute sein und ja, das sind wir. Depression sollte kein "böses Wort" sein, das man nur mit gesenkter Stimme erwähnt, damit nicht noch jemand denkt, man selbst sei davon betroffen. 18% der Deutschen erkranken irgendwann in ihrem Leben an einer Depression oder einer chronisch depressiven Verstimmung (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit). Im Vergleich: Bei etwas weniger Menschen (15%) wird im Laufe ihres Lebens Heuschnupfen diagnostiziert (Quelle: RKI).


2. Erweitere deinen Horizont.


Um das Thema besser einzuordnen, und zu verstehen, was eine Depression ist, hilft mir eine liebevolle Geschichte aus der Chinesischen Philosophie:


Ein Mönch und sein Schüler machen sich auf eine Wanderung. Es ist die erste Wanderung für den jungen Schüler und das erste mal, dass er die vertraute Umgebung des Klosters verlässt. Plötzlich sieht der Schüler eine wunderschöne Frau. Da er bisher nur mit Männer zusammengelebt hat, fragt er den Mönch aufgeregt:

"Meister, Meister, was ist das?"

Und der Mönch antwortet:

"Ein Tiger, das ist gefährlich, lass uns weitergehen."

In der Nacht konnte der Schüler zum ersten mal nicht gut schlafen. Der Mönch bemerkt es und fragte den jungen Schüler am nächsten Morgen:

"Wieso hast du so unruhig geschlafen?"

"Der Tiger. Ich muss die ganze Zeit an den Tiger denken."



Wieso hat der junge Mönch einen unruhigen Schlaf?

In der Nacht waren sie weit entfernt vom "Tiger" und der Mönch hat über den Jungen gewacht.


Für die Antwort muss ich kurz ausholen:

Aus Sicht der Chinesischen Medizin gibt es natürliche Funktionen, die wir von Geburt an mitbringen: Z.B. unsere natürlichen Körperfunktionen (seit Geburt wissen wir, wie wir atmen müssen und keiner muss uns erklären, wie wir Nahrung aufnehmen und sie verdauen). Und dann gibt es Dinge, die wir von unserer Außenwelt aufnehmen: Unsere Denkweise, Erkenntnisse und Weltanschauungen werden z.B. durch unsere Eltern, die Schulzeit, unser Arbeitsumfeld, von Bücher oder durch die Medienwelt kultiviert.


Für den junge Mönch ist es eine angeborene Eigenschaft Frauen zu mögen. Mönche leben jedoch nach 10 buddhistischen Geboten. Eines davon besagt nicht zu heiraten (ein anderes z.B. keinen Alkohol zu trinken, usw.). Das bedeutet, der Meister wollte seinen Schüler beschützen. Die angeborene Eigenschaft und der Einfluss von außen erzeugen aber einen Konflikt in dem jungen Schüler, der schließlich zu einem unruhigen Schlaf führt.


Der Widerspruch zwischen Natur und Erziehung spielt sich in unserem Leben täglich ab. Ist beides in Harmonie fühlen wir uns gut, unsere Entscheidungen fühlen sich richtig an. Kommt es zu einem Widerspruch, fühlen wir uns nicht gut. Wie genau wir uns fühlen, äußert sich bei jedem von uns unterschiedlich.


Wann kommt es nun zu einer Depression?

Ist dieser Konflikt langanhaltend können sich nach und nach Symptome bilden auf körperlicher als auch mentaler Ebene. Es würde in diesem Artikel zu weit gehen, darauf weiter einzugehen. Aber eins steht für mich fest: Gerade in den westlichen Kulturen und Wohlstandsgesellschaften, in denen wir eigentlich "alles" haben, werden Themen wie Yoga, Meditation, nachhaltiger und/ oder bewusster Lebensstil, etc. immer beliebter. Und diese Trends haben eins gemeinsam: Sie führen zur Natur zurück.



Ein ernstes Wörtchen


Eine Sache noch zum Abschluss: Wenn man über ein ernstes Thema spricht, trägt man auch eine gewisse Verantwortung. Ich habe zwar erwähnt, dass ich keine Medizinerin bin. Aus meiner Sicht kann ich mich deshalb aber nicht dieser Verantwortung entziehen. Was also im Rahmen meiner Möglichkeiten steht, ist dich mit "Hilfe zur Selbst-Hilfe" zu unterstützen:

  1. Selbsttest Wenn du dich fragst, ob du selbst oder Angehörige an einer Depression leiden können, kannst du eine erste Einschätzung mit einem Selbsttest* erhalten. Bedenke jedoch, dass dieser Test eine fachmännische Auskunft nicht ersetzen kann.

  2. Schnelle Hilfe Für unter 25-jährige gibt es einen 24/7 Krisenchat per WhatsApp und SMS. Eine Telefonseelsorge erreichst du rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222. Bei absoluten Notfällen kannst du dich beim Notarzt unter 112 melden.

  3. Beratung Höre auf dein Bauchgefühl und frage nach fachmännischer Hilfe, wenn du sie brauchst. Mach einen Termin bei deinem Hausarzt oder informiere dich hier über weitere Beratungsmöglichkeiten.


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